Sassanidenkultur

Die Hofmusiker

Publicado el 2026-07-15
Die Hofmusiker
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Wenn ein iranischer Musiker heute sein Instrument stimmt, weiß er es nicht, aber er wiederholt Barbads Geste. Und in der Stille, die der ersten Note vorausgeht, kann man noch immer das Echo eines Reiches vernehmen, das glaubte, dass Musik den Tod zu bändigen vermag.

Barbad und das Geheimnis des Königs.
Barbad schlief nie vor der Morgendämmerung. Im Schatten der Säulen des Palastes von Dastagerd saß er und stimmte seine Barbat, jenes Instrument aus Walnussholz, dessen Korpus an eine erstarrte Träne erinnerte. Seine von jahrelanger Übung schwieligen Finger streiften die Darmsaiten mit der Feinfühligkeit eines Juweliers.
An jenem Abend hatte König Khosrow der zweite ihn zu sich gerufen. Eine neue Melodie wurde erwartet, ein niemals gehörter Modus, der den Sieg über die Byzantiner feiern sollte. Barbad schloss die Augen. Er dachte nicht an Schlachten, nicht an Ruhm. Er dachte an den Wind in den Zypressen seiner Kindheit, in Jahrom, und an den Gesang eines Vogels, den er seit dreißig Jahren nicht mehr gehört hatte. Von dort würde die Musik kommen.
Als er spielte, erhob sich kein Siegeslied, sondern etwas Tieferes: die sanfte Melancholie derer, die Kriege überleben. Der König weinte. Und Barbad wusste, dass er den siebten königlichen Modus gefunden hatte, den Khosravani, den künftige Generationen für immer vermissen würden.


Nakisa und die Adlerharpe.
Nakisa hielt ihre Chang an sich gedrückt wie ein Kind. Die Harfe war aus dunklem Holz geschnitzt, und ihr oberes Ende war mit einem Adlerkopf geschmückt — Augen aus Elfenbein, der Schnabel zu einem lautlosen Schrei geöffnet. Zweiundzwanzig Saiten, zwischen Himmel und Erde gespannt, warteten auf ihre Finger.
Sie spielte allein, tief in der Nacht, wenn der Hof sich zurückgezogen hatte. Ihre Musik war nicht für den König bestimmt, auch nicht für die Edelleute, die miteinander um Schmeicheleien wetteiferten. Sie spielte für die Frauen der Privatgemächer, jene, die hinter den Vorhängen lauschten und deren Seufzer sie in der Dunkelheit erahnte.
Jede Saite trug einen Namen: Sehnsucht, Abwesenheit, Erinnerung, Vergessen. Nakisa zupfte sie eine nach der anderen und webte ein klingendes Gewebe, in dem jede sich wiederfinden konnte. Man sagte, sie habe dreißig Melodien komponiert, eine für jeden Tag des Mondmonats. Doch die schönste, die sie niemals öffentlich spielte, sprach von einem jungen Mädchen, das zwischen Liebe und Kunst hatte wählen müssen. Es hatte die Kunst gewählt. Und ihre Harfe weinte für beides.


Bamshad, der Musiker der Morgenröte.
Bamshad kannte den Himmel, bevor er sich erhellte. Jeden Morgen, noch bevor die Hähne krähten, bestieg er die Terrasse des Palastes, seine Rohrflöte Ney in der Hand. Das Instrument war schlicht: sieben Löcher in einen getrockneten Halm gebohrt, mit ausgefransten Baumwollfäden umwunden. Doch in Bamshads Atem wurde es zur Stimme der erwachenden Welt.
Er spielte keine komplexen Modi wie Barbad. Seine Musik bestand aus langen, schwebenden Tönen, die den Gebetsruf nachahmten, bevor es das Gebet gab. Die ersten Töne erhoben sich in der kalten Luft, zitternd wie Blätter. Allmählich verstärkten sie sich, umschlangen die Säulen, glitten durch die schlafenden Gärten.
In den Ställen spitzten die Pferde die Ohren. In den Küchen unterbrachen die Diener ihre Arbeit. Und dort oben, in der Königskammer, öffnete Khosrow der zweite die Augen — nicht jäh aus dem Schlaf gerissen durch ein Geräusch, sondern sanft ins Bewusstsein zurückgeführt von dieser Musik, die ihn daran erinnerte, dass ihm ein weiterer Tag geschenkt wurde. Bamshad weckte den König nicht. Er schenkte ihm die Morgenröte.


Der Daff-Spieler im Thronsaal.
Den Daff-Spieler bemerkte man nie. Er stand im Schatten hinter den Porphyrsäulen, seine kupferbeschlagene Rahmentrommel gegen die Brust gedrückt. Das Instrument war schwer, das Ziegenfell straff gespannt und mit Metallringen verziert, die bei jeder Bewegung klirrten.
Während Barbad spielte und die Dichter ihre Verse rezitierten, wartete er. Sein Moment würde später kommen, beim Bankett, wenn der Wein die Zungen gelöst und die Glieder entspannt hatte. Dann würde er beginnen, zunächst leise, mit einem dumpfen Rhythmus, der sich dem Herzschlag anschmiegen würde. Boom... boom-boom... boom...
Allmählich beschleunigte das Tempo. Die Kupferringe vibrierten und fügten ihr helles Klirren dem Donner der geschlagenen Haut hinzu. Die Tänzerinnen traten ein, barfuß auf den Mosaiken, und ihre Fußgelenke antworteten der Trommel. Der Daff-Spieler sah nichts vom Fest. Die Augen geschlossen, war er der unsichtbare Pulsschlag der Nacht, derjenige, der die Körper tanzen ließ und für eine Stunde vergessen ließ, dass der Tod morgen an die Tür klopfen könnte.


Der Atem des Karna.
Das Karna war kein Instrument für gedämpfte Paläste. Es war eine zwei Meter lange Trompete aus Walnussholz, mit silbernem Kupfer beschlagen, deren ausgestellter Schallbecher den Raum zu verschlucken schien. Man hörte es nicht: Es durchdrang einen.
Am Morgen großer Schlachten, wenn sich die sassanidische Armee in Schlachtordnung aufstellte, bestieg der Karna-Spieler einen Hügel. Er hob das Instrument zum Himmel, das Mundstück an die Lippen, und blies. Der Klang, der herausströmte, hatte nichts Menschliches an sich. Es war ein tiefes, mächtiges Brüllen, das meilenweit zu hören war und die Vögel verstummen ließ.
Dieser Klang sagte: Der König der Könige naht. Erzittert. Die Feinde hörten es und wussten, dass der Tod auf sie zukam. Die persischen Soldaten hörten es und richteten sich auf, stolz darauf, Werkzeuge einer Macht zu sein, die größer war als sie selbst.
Der Karna-Spieler kannte keine Subtilität. Er spielte nur drei Töne, immer dieselben, unermüdlich wiederholt. Doch in diesen drei Tönen lag das gesamte Reich: seine Majestät, seine Stärke, sein Schrecken. Wenn er spielte, war Khosrow der zweite kein Mensch mehr. Er wurde zur klanglichen Verkörperung absoluter Macht.

Das Stille Erbe
Keiner von ihnen wusste, dass er für die Ewigkeit spielte. Barbad starb in seinem Bett, Nakisa verschwand im Vergessen der Harems, Bamshad erlosch an einem Wintermorgen. Ihre Instrumente verrotteten, ihre Melodien verstummten, als die Araber das Reich eroberten.
Doch irgendwo, in den Dastgahs der modernen persischen Musik, in der Laute, die man noch immer Barbat nennt, in der Ney-Flöte der Sufis, in den Trommeln der Zeremonien, überdauert ihr Atem. Sie sind nicht gestorben. Sie haben lediglich den Modus gewechselt — vom königlichen Khosravani zur Volksmelodie, vom Hof zum Volk, von der Zeit zur Ewigkeit.

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